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Handwerk

Knoten an Bord

Zehn Knoten reichen für ein Bootsleben. Wichtiger als die Zahl ist, dass zwei davon sitzen, wenn es schnell gehen muss: das Belegen auf der Klampe und der Palstek.

Erst die Vokabeln

Die meisten Knotenanleitungen scheitern daran, dass diese vier Begriffe nicht erklärt sind. Mit ihnen wird jede Beschreibung lesbar.

Stehendes Part
Der Teil der Leine, der unter Last steht oder festgemacht ist. Der bewegt sich nicht.
Loses Ende
Das freie Ende in deiner Hand. Damit wird gearbeitet.
Bucht
Eine U-förmige Schlaufe, bei der sich die Leine nicht kreuzt.
Auge
Eine geschlossene Schlaufe, bei der sich die Leine kreuzt.
1

Belegen auf der Klampe

Klampenschlag

Wofür

Der meistgebrauchte Handgriff überhaupt: Boot an Steg, Steg an Boot, Fender, Persenning. Wer nur einen lernt, lernt diesen.

So geht er

  1. Erst ein voller Rundtörn um den Fuß der Klampe — das nimmt die Last aus dem Rest.
  2. Dann eine Acht über die beiden Hörner, zwei- bis dreimal.
  3. Zum Schluss ein Kopfschlag: die letzte Bucht so legen, dass das lose Ende unter sich selbst durchläuft.
  4. Das lose Ende zeigt von der Klampe weg, nicht zum Boot.

Merke: Nur ein Kopfschlag, nie zwei. Zwei ziehen sich unter Last so fest, dass du sie im Ernstfall nicht mehr aufbekommst.

2

Palstek

Der König der Knoten

Wofür

Ein Auge, das sich nicht zuzieht. Zum Überwerfen über einen Poller, als Rettungsschlinge um einen Menschen, zum Anschlagen einer Leine. Hält unter Last und geht danach wieder auf.

So geht er

  1. Ein kleines Auge ins stehende Part legen — das lose Ende liegt obenauf.
  2. Das lose Ende von unten durch das Auge stecken.
  3. Hinter dem stehenden Part herumführen.
  4. Wieder von oben zurück durch das Auge und festziehen.

Merke: Die Eselsbrücke: Die Schlange kommt aus dem Loch, um den Baum herum, und zurück ins Loch. Prüf zum Schluss, dass das lose Ende innen liegt — außen ist es ein anderer, unsicherer Knoten.

3

Rundtörn mit zwei halben Schlägen

Wofür

Leine an Poller, Ring oder Reling, wenn Zug darauf steht. Der Rundtörn nimmt die Last, die halben Schläge sichern nur. Lässt sich auch unter Last noch anlegen.

So geht er

  1. Zwei volle Törns um den Poller — nicht einen, zwei.
  2. Das lose Ende über das stehende Part und von unten durch: erster halber Schlag.
  3. Dasselbe noch einmal in gleicher Richtung: zweiter halber Schlag.
  4. Beide Schläge zusammenschieben, bis sie aneinanderliegen.

Merke: Beide halbe Schläge müssen in dieselbe Richtung laufen. Gegenläufig ergibt das einen Knoten, der bei Bewegung wandert.

4

Achtknoten

Stopperknoten

Wofür

Verhindert, dass eine Leine durch einen Block oder eine Klemme rutscht. Gehört ans Ende jeder Schot und jeder Leine, die durchlaufen kann.

So geht er

  1. Das lose Ende über das stehende Part legen.
  2. Einmal darum herumführen — es entsteht eine Acht.
  3. Das lose Ende von oben durch das erste Auge stecken.
  4. Festziehen — der Knoten liegt flach und sauber.

Merke: Der Achtknoten ist dem einfachen Überhandknoten immer vorzuziehen: Er hält genauso, geht aber auch nach starker Belastung wieder auf.

5

Webleinstek

Webeleinstek

Wofür

Fender an die Reling, Leine an einen Pfahl. Schnell gelegt, schnell gelöst — aber nur bei gleichbleibendem Zug aus einer Richtung.

So geht er

  1. Das lose Ende einmal um Rohr oder Pfahl legen und über das stehende Part kreuzen.
  2. Ein zweites Mal herumlegen, in gleicher Richtung.
  3. Das lose Ende unter dem zweiten Törn hindurchstecken.
  4. Beide Enden gleichmäßig festziehen.

Merke: Der Webleinstek kann sich bei wechselndem Zug oder Ruckeln lösen. Für alles, was länger hält oder wo es drauf ankommt: lieber Rundtörn mit zwei halben Schlägen.

6

Schotstek

Weberknoten

Wofür

Verbindet zwei Leinen — auch unterschiedlich dicke. Genau dafür taugt der Kreuzknoten nicht.

So geht er

  1. Aus der dickeren Leine eine Bucht formen.
  2. Die dünnere Leine von unten durch die Bucht stecken.
  3. Sie um beide Schenkel der Bucht herumführen.
  4. Unter sich selbst zurückstecken und festziehen — beide losen Enden liegen auf derselben Seite.

Merke: Liegen die losen Enden auf verschiedenen Seiten, ist der Knoten falsch gelegt und rutscht. Bei sehr unterschiedlichen Stärken die dünnere Leine zweimal herumführen.

7

Kreuzknoten

Samariterknoten

Wofür

Zum Zusammenbinden von Persenningbändseln, Segeln, Paketen. Für alles Flache und Gleichdicke.

So geht er

  1. Linkes Ende über rechtes, einmal durchstecken.
  2. Dann rechtes Ende über linkes, wieder durchstecken.
  3. Festziehen — der Knoten liegt symmetrisch und flach.

Merke: Niemals zum Verbinden zweier Leinen unter Zug — dafür ist er nicht gemacht und er rutscht. Dafür gibt es den Schotstek.

8

Slipstek

Slipknoten

Wofür

Jeder Knoten wird zum Slipstek, wenn man das lose Ende als Bucht durchsteckt statt einzeln. Ein Zug am Ende, und er ist auf.

So geht er

  1. Den Knoten wie gewohnt legen.
  2. Beim letzten Durchstecken nicht das Ende nehmen, sondern eine Bucht davon.
  3. Festziehen — es bleibt eine Schlaufe stehen.
  4. Zum Lösen einfach am losen Ende ziehen.

Merke: Praktisch beim Ablegen: Leine um den Poller am Steg, slip gelegt, und du kannst vom Boot aus loswerfen, ohne noch einmal an Land zu müssen.

9

Zimmermannsschlag

Wofür

Zum Anschlagen an etwas Rundes und Langes: ein Baumstamm, ein Mast, ein Fender längs, ein Bootshaken. Hält, solange Zug drauf ist, und geht danach sofort auf.

So geht er

  1. Das lose Ende um den Gegenstand herumlegen.
  2. Um das stehende Part herumführen.
  3. Drei- bis viermal um sich selbst drehen, in Faserrichtung der Leine.
  4. Am stehenden Part ziehen — der Knoten zieht sich fest.

Merke: Ohne Zug hält er nicht. Deshalb beim Schleppen oder Heben immer zusätzlich einen halben Schlag weiter vorn setzen.

10

Achtknoten als Auge

Doppelter Achtknoten

Wofür

Ein festes Auge, das noch mehr aushält als der Palstek und leichter zu prüfen ist. Zum Einhängen von Karabinern, als Griff in einer Leine, zum Anschlagen.

So geht er

  1. Die Leine zur Bucht doppeln.
  2. Mit der doppelten Leine einen normalen Achtknoten legen.
  3. Sorgfältig festziehen, alle vier Stränge parallel legen.

Merke: Der Vorteil gegenüber dem Palstek: Man sieht auf einen Blick, ob er richtig liegt — die Acht ist unverwechselbar. Nachteil: Nach starker Last schwerer zu öffnen.

Und in der Schleuse?

Gar keinen. In der Kammer wird die Leine um den Poller gelegt und in der Hand gehalten — nicht geknotet, nicht belegt. Steigt oder fällt das Wasser, muss sie sofort loskommen. Ein guter Knoten ist dort der gefährlichste.

Checkliste Schleuse →

Üben, nicht lesen

Knoten lernt man mit den Händen, nicht mit den Augen. Nimm eine Leine, setz dich hin, und mach jeden dieser Knoten zwanzigmal. Danach noch einmal mit geschlossenen Augen — genau so wirst du sie brauchen: nachts, im Regen, mit kalten Fingern, während das Boot abtreibt.

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