SOS-Kit
Notfall an Bord
Was zu tun ist, wenn es ernst wird — und die Handgriffe, die man vorher können sollte: Notruf, Funkspruch, Schallsignale, Schleusencheck. Ausdrucken und an Bord legen ist keine schlechte Idee.
Sofort: 112
Die 112 gilt in Luxemburg, Deutschland und Frankreich gleichermaßen und funktioniert von jedem Handy, auch ohne Guthaben und ohne Netz des eigenen Anbieters. Sag zuerst, wo du bist — der Mosel-Kilometer ist die beste Angabe, sonst der nächste Ort oder die nächste Schleuse.
Wer kommt
Auf der luxemburgischen Mosel kommt Hilfe über das Wasser — aus einer gemeinsamen Basis von Polizei und Rettungsdienst CGDIS bei Grevenmacher, oberhalb der Schleuse bei etwa km 213,6. Das Polizeiboot der Police Grand-Ducale liegt dort neben dem Rettungsboot; ein Kran setzt beide bei Bedarf zu Wasser.
Deshalb ist der Mosel-Kilometer die nützlichste Ortsangabe, die du machen kannst — nützlicher als ein Ortsname, denn er ist eindeutig und steht auf beiden Ufern an den Tafeln.
Aufnahmen: nautic.lu, August 2026
Die fünf W
- Wo? Mosel-Kilometer, Ufer, nächste Schleuse oder Ortschaft
- Was ist passiert?
- Wie viele Personen sind betroffen?
- Welche Verletzungen oder Gefahren?
- Warten auf Rückfragen — nicht auflegen
Notruf über Funk
Wichtig: Im Binnenbereich gibt es keinen Kanal 16
Anders als auf See gibt es im Binnenschifffahrtsfunk keinen einheitlichen Not- und Anrufkanal. Der Notruf geht zuerst an die Revierzentrale auf dem Kanal des Verkehrskreises Nautische Information — mit 25 Watt. Danach, je nach Lage, ein zweiter Notruf auf Kanal 10 mit höchstens 1 Watt, um die umliegende Schifffahrt zu erreichen und zu warnen. Den örtlichen Kanal der Revierzentrale entnimmt man dem Handbuch Binnenschifffahrtsfunk, das auf funkpflichtigen Fahrzeugen ohnehin an Bord sein muss.
MAYDAY — Lebensgefahr
Nur bei unmittelbarer Gefahr für Leben oder Schiff: Person über Bord, Feuer, Sinken, schwere Verletzung.
So sprichst du
MAYDAY MAYDAY MAYDAY Hier ist BOOTSNAME BOOTSNAME BOOTSNAME MAYDAY BOOTSNAME Meine Position: Mosel-Kilometer …, … Ich habe … (was ist passiert) Ich brauche … (welche Hilfe) … Personen an Bord OVER
PAN PAN — dringend, aber keine Lebensgefahr
Wenn Hilfe nötig ist, aber niemand in unmittelbarer Gefahr schwebt: Maschinenausfall in der Fahrrinne, Ruderschaden, Treibgut im Propeller, medizinischer Rat gefragt.
So sprichst du
PAN PAN PAN PAN PAN PAN Hier ist BOOTSNAME BOOTSNAME BOOTSNAME Meine Position: Mosel-Kilometer …, … Ich habe … (was ist passiert) Ich brauche … (welche Hilfe) OVER
SÉCURITÉ — Sicherheitsmeldung
Warnung an andere: Treibgut, ausgefallene Tonne, Hindernis in der Fahrrinne, aufziehendes Unwetter.
Ruhig, langsam, zweimal
Sprich langsamer, als sich richtig anfühlt. Wichtige Angaben — Position, Anzahl Personen — lieber zweimal. Nach dem Absetzen auf Empfang bleiben und nicht senden, bis geantwortet wird. Wer keine Funkanlage hat: 112 anrufen, das ist völlig in Ordnung.
Schallsignale, die zählen
Kurz heißt ein bis zwei Sekunden, lang vier bis sechs. Kleinfahrzeuge dürfen diese Signale geben, müssen aber nicht — verstehen sollte man sie trotzdem, denn die Berufsschifffahrt gibt sie.
| Signal | Bedeutung |
|---|---|
| — | Achtung |
| • | Ich ändere meinen Kurs nach Steuerbord |
| • • | Ich ändere meinen Kurs nach Backbord |
| • • • | Meine Maschine läuft rückwärts |
| • • • • | Ich bin manövrierunfähig |
| • • • • • | Man kann mich nicht überholen |
| — • | Ich wende über Steuerbord |
| — • • | Ich wende über Backbord |
| •••••• | Gefahr eines Zusammenstoßes eine Folge sehr kurzer Töne |
| — — — — | Notsignal — ich brauche Hilfe eine Folge langer Töne |
| • — • — | Bleib-weg-Signal — Gefahrgutunfall, Abstand halten kurz und lang im Wechsel, mindestens 15 Minuten |
Dazu optisch: bei Tag eine rote Flagge, bei Nacht ein rotes Licht im Kreis schwenken. Beides bedeutet Not oder Manövrierunfähigkeit und ist auch ohne Horn verständlich.
Checkliste Schleuse
Die meisten Schäden an Sportbooten passieren nicht auf freier Strecke, sondern in der Kammer. Diese Liste vor der Einfahrt einmal durchgehen.
- Fender auf beiden Seiten außen, tief genug für den Wasserstand nach dem Schleusen
- Vor- und Achterleine klar, aufgeschossen, in Reichweite
- Alle an Deck tragen Rettungsweste — auch die, die nur zusehen
- Vorher über Funk melden oder Selbstbedienung nutzen; Wartestelle beachten
- Lichtzeichen abwarten: zwei rot heißt gesperrt, rot-grün heißt gleich, grün heißt einfahren
- Langsam einfahren, Berufsschifffahrt zuerst
- Leinen um Poller legen und in der Hand behalten — niemals fest belegen
- Motor läuft, niemand zwischen Boot und Kammerwand
- Beim Bergschleusen: Leinen dichtholen. Beim Talschleusen: Leinen fieren
- Erst ausfahren, wenn das Tor ganz offen ist und das Zeichen es erlaubt
Die häufigste Ursache für Schäden und Verletzungen in der Kammer ist eine fest belegte Leine. Steigt oder fällt das Wasser, hängt das Boot daran — es kentert oder die Klampe reißt aus. Leine immer in der Hand behalten.
Wenn etwas passiert
Person über Bord
- Laut rufen, damit alle es wissen
- Rettungsmittel sofort werfen — auch wenn es weit weg landet, es markiert die Stelle
- Eine Person zeigt ununterbrochen auf die Stelle und schaut nirgendwo anders hin
- Motor in Leerlauf, sobald du in die Nähe kommst — Propeller ist die größte Gefahr
- Von Lee anfahren, Person an der Bordwand aufnehmen, nicht am Heck
- Kaltes Wasser: waagerecht bergen, warm halten, 112 auch bei scheinbarem Wohlbefinden
Feuer an Bord
- Maschine aus, Gas zu, Strom aus
- Alle an Deck, Rettungswesten an
- Motorraumklappe möglichst geschlossen lassen — Sauerstoff facht an. Löschöffnung nutzen, falls vorhanden
- Boot so drehen, dass der Wind das Feuer vom Rest wegträgt
- MAYDAY absetzen, ans Ufer, aufgeben ist erlaubt — das Boot ist ersetzbar
Wassereinbruch
- Leck suchen: meist Stopfbuchse, Seeventil, Schlauchschelle oder Rumpfdurchbruch
- Lenzpumpe an, zusätzlich mit Eimer arbeiten — ein Eimer schafft mehr als die meisten Pumpen
- Loch stopfen, womit auch immer: Konuspfropfen, Segeltuch, Kissen, Handtuch
- Kurs aufs flache Ufer — ein aufgesetztes Boot sinkt nicht
- PAN PAN oder MAYDAY, je nachdem ob die Pumpe mithält
Maschinenausfall
- Sofort vier kurze Töne geben und aus der Fahrrinne treiben lassen, wenn möglich
- Anker klar machen — auch wenn Ankern verboten ist, im Notfall geht es vor
- PAN PAN auf Kanal 10, damit die Berufsschifffahrt Bescheid weiß
- Erst dann nach der Ursache suchen: Sprit, Filter, Impeller, Seegras am Propeller
Grundberührung
- Nicht sofort Vollgas rückwärts — erst prüfen, ob Wasser eindringt
- Gewicht verlagern, um Tiefgang zu verringern
- Auf der Mosel steigt und fällt das Wasser mit dem Schleusenbetrieb — manchmal reicht Warten
- Vor der Weiterfahrt Propeller und Ruder prüfen
Was an Bord gehört
Keine Vorschriftenliste, sondern das, was im Ernstfall wirklich gebraucht wird.
- Rettungswesten für alle an Bord, auch für Gäste und Kinder
- Rettungsring oder Wurfleine, griffbereit und nicht verstaut
- Feuerlöscher, geprüft, und eine Löschdecke in der Pantry
- Verbandkasten mit Rettungsdecke
- Eimer mit Leine — Lenzmittel und Löschmittel in einem
- Handlampe mit rotem Filter oder rotes Tuch für Notzeichen
- Anker mit ausreichend Kette und Leine
- Handy in wasserdichter Hülle, geladen
- Konuspfropfen bei jedem Seeventil — festgebunden, nicht in der Schublade
Das ersetzt keine Ausbildung
Diese Seite ist eine Gedächtnisstütze für Leute, die das Wesentliche schon einmal gelernt haben. Sie ersetzt weder einen Sicherheitslehrgang noch das Handbuch Binnenschifffahrtsfunk noch die Moselschifffahrtspolizeiverordnung. Verbindlich sind immer die amtlichen Vorschriften. Und der wichtigste Satz steht nicht in Paragrafen: Im Zweifel lieber einmal zu früh Hilfe rufen als einmal zu spät. Ein Fehlalarm kostet nichts außer einer Erklärung.